
10 Tage Trailreiten in Chile, SüdamerikaAus dem Tagebuch von Anja von ihrer 10 Tagestour im Sommer 2008 |
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Nachdem wir über Nacht von Santiago, nach ca. 10 ½ Stunden Busfahrt in Pucon ankamen, wurden Fatine, die im Bus zufällig neben mir saß und auch nach Antilco wollte, und ich von Alexandra, einer echten Puconina, wie sie sich selbst vorstellt, abgeholt. Im gelben VW-Bus saßen schon Enna und Micha aus Berlin die, wie wir dann erfuhren, ebenfalls ein paar Tage mit uns zusammen reiten wollten. Jetzt fehlte nur noch Jelena aus Dresden und unsere Reitgruppe wäre komplett. Ich bekomme eine schwarze Stute mit Namen Canela, was Zimt heißt. Vier Stunden geht es durch die wunderschöne Landschaft. Wir haben immer die Berge im Auge. Es geht entlang eines türkisfarbenen Flusses durch Mapuchegebiet. Die Indianer leben hier meist auf kleinen Farmen, in einfachen Häusern von Wiesen umgeben auf denen wir Schafe, oft auch Pferde und immer einige Hunde sehen. Viele erste Eindrücke: der Dunst, der über den Bergen hängt und uns die Sicht auf die Vulkanos versperrt, die vulkanischen Felsblöcke überall… Alles ein fantastisches Erlebnis! Schnell wird auch klar, daß sich alle Menschen ganz gut verstehen. Was will man mehr? |
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Donnerstag, 27. März 2008 Gestern Morgen ging’s los, mit den Pferden in Richtung Berge. Zum Glück hat es sich in der Nacht ausgeregnet und wir sollten während des ganzen Rittes keinen Tropfen Regen abbekommen! Wir sind zu acht: Carmen und Cathy, Louis unser chilenischer Guide, Jelana, Enna, Micha, Fatine und ich. Die Stimmung könnte besser nicht sein und so geht es die ersten vier Stunden auf hartem, geschottertem Untergrund entlang des Lago Caburgua. Hier ist nach Aussage von Carmen wohl eins der teuersten Wohngebiete von Chile und auch die Präsidentin, Michelle Bachelet, hat hier ein „Wochenendhaus“. Die Häuser sind sehr gepflegt und wir sehen immer wieder die Bewässerungsanlagen der schön angelegten Gärten. Louis schleppt gleich mit seiner Stute Loca – die Verrückte – Holz für ein Lagerfeuer an, auf dem dann auch gekocht wird. „Cowboyromantik“ kommt auf: Wie es in den Bergen so ist, verschwindet urplötzlich die Sonne und die Nacht, mit immer noch mehr werdenden Sternen, bricht herein. Wir sitzen noch lange am Feuer obwohl es schnell kalt wird. In dieser Nacht sollte es auch frieren und es wird die kälteste Nacht des ganzen Rittes! Am Morgen nach dem Frühstück fangen Louis, Carmen und Cathy dann die Pferde wieder ein, was einige Zeit dauert, denn sie haben sich auf der großen Fläche weit verstreut. In der Zwischenzeit bauen wir unsere Zelte ab und bald geht’s weiter nach San Sebastian wo es heiße Quellen gibt. Nach einem schweißtreibenden Reittag, wo wir die Pferde auch eine ganze Zeit lang über unwegsames Geröll den Berg hinunter geführt haben, ist es genau das Richtige sich abends in die heißen Becken zu legen und für die kalte Nacht aufzuwärmen. Ich liege in der wohligen Wärme und beobachte den Sternenhimmel. Ab und an sehe ich eine Sternschnuppe. Und ich lasse den Tag Revue passieren. Die Landschaft hier in Chile ist für uns Europäer kaum zu beschreiben: tolle Berge mit Regenwald, Bambú und immer wieder hören wir laut schilpende Papageien; zu schnell und zu aufgeregt um sich fotografieren zu lassen. Die Pferde sind trittsicher wie ich es noch nie erlebt habe! Und ich habe schon einige Wanderritte, auch in unwegsamem Gelände, gemacht… Sie gehen über lange Wegstrecken mit beeindruckend großen Felsbrocken, über Baumstämme, die gerade unter dem Pferdebauch durch passen, durch glitschige, steinige Flüsse und über riesige Steinplatten, die wie Treppenstufen in den Fels gemeißelt sind. Einfach ein toller, erlebnisreicher Tag, den wir beim Grillen überm offenen Feuer ausklingen lassen. |
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Samstag, 29. März 2008 Gerade sind wir wieder bei den Thermen in San Sebastian angekommen. Gestern und heute ging es durch den Urwald. Atemberaubende Impressionen! Man kann es mit Worten kaum beschreiben: uralte Bäume, die einen Umfang haben, daß sie von mehreren Menschen umfasst werden können. Viele hundert Jahre, wenn nicht sogar 1000de, haben diese irrsinnig hohen Bäume auf dem Buckel. Carmen sagt immer wieder: die kannte Napoleon schon. Ja, was würden uns die Bäume an Geschichten erzählen wenn sie reden könnten… Überall ist Bambú, dessen zartes Grün zwischendurch gern von den Pferden abgefressen wird. Eindrücke und Ausblicke die man nie vergisst und die die dicke Staubschicht, die seit zwei Tagen auf uns haftet, dreimal wieder wettmachen! Ein wunderschöner See mit Schilfgürtel mitten im Urwald! Wir können uns nicht satt sehen an der Natur! Und endlich sind auch in weiter Ferne die Anden zu erahnen… Immer wieder weite Täler und hohe Berge, Felsen und das Plätschern von Flüssen. Unvergeßlich und unbeschreiblich! Immer wieder staunt man über die Natur. Man hört weder Straßenlärm, noch Autobahnen oder Flugzeuge. Hier gibt es keine Alltagshecktick… Gestern hatten wir einen Lagerplatz auf einer Lichtung mitten im Urwald. Für die Pferde war ein „natürlicher“ Padock aus umgestürzten und gefällten Bäumen vorhanden… Jeden Abend gibt es ein Lagerfeuer und den Himmel über uns mit seinen abertausenden von Sternen… Es ist so schön einfach nur ins Feuer zu schauen oder sich hinzulegen und zu beobachten wie mit zunehmender Dunkelheit die Sterne mehr und mehr werden. Es ist so friedvoll und man ist glücklich… |
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© 2000 - Antilco - Reittouren in den Anden
Am Samstagabend kam auch Aldo, unser Guide für die letzten 3 Tage, nach San Sebastian geritten. Carmen, Fatine, Enna, Micha und Louis haben uns heute Morgen verlassen und es geht jetzt zu viert weiter. Aber zuvor war da noch der gestrige Sonntag mit neun Pferden und Reitern. Wenn man dachte, es kann nach den vorangegangenen Tagen nicht mehr besser werden – weit gefehlt! Aldo hat uns durch den absoluten Urwald geführt! Mit dem menschlichen Auge war für uns kein Weg mehr zu erkennen. Man findet langsam wirklich keine Worte mehr für die Schönheit der Landschaft und die Trittsicherheit der Pferde! Ich werde beim Reiten zu Hause zukünftig nicht mehr absteigen! Was Pferde wirklich zu leisten vermögen war mir bisher nicht klar! In unwegsamem Gelände schauen sie sich alles genau an und entscheiden sich dann eigenständig für den „richtigen“ Weg. Unglaublich! Einfach beeindruckend, wie auch immer und immer wieder die wunderschöne und unberührte Natur, die ich mir überhaupt nicht sooo grün vorgestellt hatte. Der Sonntag war für mich, von der Landschaft her, der bisher schönste Reittag. Von den Berggipfeln sieht man in weite, grüne Täler und auf der anderen Seite sieht man bewaldete Berge und weiter höher gelegen, sogar unbewachsene, nackte Felsen. Dazwischen Lagunen und auch die Vulkane Llanin und Villarrica. Man muß es sehen und erleben sonst glaubt man es nicht, und auch die Bilder geben nur einen Teil der Schönheit und Weite wieder… Am Sonntagabend kommen wir dann in der Laguna Goepinger an. Unser letzter gemeinsamer Abend bevor wir zu viert weiter reiten. Alexandra, die Carmen, Fatine, Enna und Micha am nächsten Morgen nach Antilco zurück bringen soll, wartet schon mit Lebensmitteln auf uns. Wir lassen den Tag mit gegrilltem Fisch, Araucarien-Likör und angeregten Gesprächen in Englisch, Deutsch und Spanisch ausklingen. Am nächsten Morgen sollten dann ganz früh die Pferde abgeholt werden. Wir sind extra zeitig aufgestanden um uns noch von unseren vierbeinigen Freunden zu verabschieden. Der Dunst hing mystisch über der Laguna und der Sonnenaufgang hat viele Lichtreflexe auf das Wasser gezaubert… Jelena, Cathy und ich bekommen drei „neue“ Pferde von Aldo. Ich suche mir Palomo – Täuberich -, den kleinen Schimmel aus, der am Abend schon frei auf der Weide rumgelaufen ist. Als wir aufbrechen ist der LKW immer noch in Sicht, der die anderen Pferde wieder nach Antilco bringen soll. Wir starten zu einer absoluten „Matschtour“ wie sich später noch herausstellt. Nach kurzer Zeit bereits geht es wieder nur berauf. Dabei merken wir schnell, daß Aldos Pferde längst nicht so trainiert sind wie die von Mathias. Ganz schnell läuft unseren Pferden der Schweiß in Strömen das Fell herunter. Dafür sind sie sehr fein geritten! Palomo hat einen sehr angenehmen Trab und man braucht „Galopp“ nur denken und schon springt er wunderbar rund und weich an. Und natürlich sind unsere Vierbeiner mit ihrer Trittsicherheit mit keinem Pferd in Deutschland zu vergleichen. Heute ist wirklich der Tag der tiefen Matschlöcher. Palomo und Flash, Cathys Pferd, versinken bis zum Bauch… Eine geballte Ladung landet auf meinem Rücken und meinem Hinterteil als ich vor Palomo durch den tiefsten Dreck gehe. |
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Donnerstag, 03. April 2008 Am Dienstag geht es gemütlich los, nichts ahnend, daß der Tag in einer Adventure-Tour enden wird… Wir haben ein solches Glück mit dem Wetter! Bisher hat es noch keinen Tropfen geregnet; nur der allerschönste Sonnenschein! Die Nacht bevor der Ritt begann hat es wie aus Eimern gekübelt und danach nicht mehr – zum Glück! Am Mittwoch beim Abendessen auf Antilco hat Mathias uns erzählt, daß er die letzte Silvestertour wegen Dauerregen abbrechen musste. Denn wenn es hier einmal regnet hört es nicht mehr auf! Mittags dann werden wir von herzlichen Chilenen, die Aldo wohl von früheren Ritten her kennt, auf deren Farm eingeladen. Wir bekommen leckeren Salat, Brot und selber gemachte Brombeer-Marmelade. Der Besitzer lässt es sich nicht nehmen uns zum nahe gelegenen Wasserfall zu führen. Ein weiteres Naturerlebnis! |
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